Liebesfilme - ohne Happy End

mountain-teaser.jpgFast zwei Stunden lang haben wir mitgefiebert, mitgelitten und das Taschentuch befeuchtet - jetzt soll alles umsonst gewesen sein?! Liebesfilme ohne Happy End haben schon einen schweren Stand - selbst wenn das traurige Ende unausweichlich war…

Zwischen Romantik und schwer erträglichem Kitsch liegt oft nur ein schmaler Grat. Die eigentliche Kunst der Filmemacher ist es, diesen auszubalancieren. Und nichts hat dabei einen größeren Einfluss, als das Ende des Films. Es kann den Film zerstören oder in den Olymp der Kultstreifen erheben. Es kann ihn in die Rührseligkeit schicken oder deprimierte Zuschauer und leere Kinosäle zurücklassen.

Grandiose Liebesfilme ohne Happy End - hier sind einige davon:

Casablanca
Casablanca - das Urgestein und der Inbegriff aller Liebesfilme ohne Happy-End! Humphrey Bogart als Rick Blaine opfert sein eigenes Glück, um Ingrid Bergman, die Frau und Liebe seines Lebens, zu retten. Er schickt sie mit ihrem Ehemann fort, ins sichere Exil. Ein Kultfilm mit umwerfenden Darstellern und einem glaubhaften, aber leider tragischen Ende.

Die Brücken am Fluss
Auch in Die Brücken am Fluss entscheidet sich die Protagonistin für ihren Ehemann - und gegen ihre wahre Liebe, Clint Eastwood alias Robert Kincaid. Und als es Francesca (Meryl Streep) 14 Jahre später, nach dem Tod ihres Mannes, doch noch einmal die Flamme der Leidenschaft neu auflodern lassen will, ist es zu spät. Der Ex-Liebhaber ist tot… das wahre Leben gibt eben keine zweite Chance.

Vom Winde verweht
Noch ein Klassiker mit traurigem Ende: Vom Winde verweht. Das Epos von 1939 fährt große Geschütze auf, nicht nur bei den Gefühlen. Im Film gibt es allein 50 Sprechrollen und rund 2.400 Statisten. Trotz oder gerade wegen dieser Dimensionen: Wie Scarlett O’Hara (Vivien Leigh) sich um ihr eigenes Glück bringt und am Ende ganz alleine ist - obwohl sie bereits mit ihrem Rhett (Clark Gable) verheiratet war - das ist Taschentuch-Kino vom Feinsten.

Hautnah
Auch in dem dramatischen Liebesfilm Hautnah, der auf einem Theaterstück basiert, liegt das Problem in den vier Hauptpersonen selbst. Sie können einfach nicht voneinander lassen, miteinander glücklich werden jedoch auch nicht - in welcher Paarkonstellation auch immer. Vor allem dank des großartigen Spiels von Julia Roberts, Jude Law, Natalie Portman und Clive Owen ist das Großartigste an diesem Film, dass man jede Figur irgendwie verstehen kann - und am Ende gar nicht mehr weiß, mit wem man letztlich sympathisieren soll.

Brokeback Mountain
Brokeback Mountain: Die Geschichte zweier homosexueller Cowboys, die Millionen Zuschauer zu Tränen gerührt hat - ganz bestimmt auch viele, die es bei diesem Thema eher nicht erwartet hätten. Regisseur Ang Lee hatte zunächst sogar Schwierigkeiten, Produzenten für sein Konzept zu finden. Doch der Film wurde ein großer Erfolg, auch aufgrund der großartigen Leistungen von Jake Gyllenhaal und dem unvergessenen Heath Ledger. Über lange Jahre wird das Leben und die Liebe von zwei Männern begleitet, die an der Gesellschaft und den unausweichlichen Lebenslügen letztlich zerbrechen. Eine zeitlose Geschichte mit einer universellen Botschaft, die der “Spiegel” auf den Punkt gebracht hat: “In einer Welt, die vom Terror der Moralapostel vergiftet wird, können die Menschen nicht glücklich werden.”

Titanic
Nein, es war keine Überraschung, dass die “Titanic” im gleichnamigen Film untergeht. Aber hätte nicht wenigstens das frisch verliebte Paar überleben können? Zwar lebte Rose (Kate Winslet) noch ein schönes Leben und bewahrte ihren Jack (Leonardo DiCaprio) für immer in ihrem Herzen, doch ein glückliches Ende sieht anders aus. Der aufwändige Blockbuster rückt damit noch ein Stück näher an die Realität der Schiffs-Katastrophe - und lässt uns umso trauriger zurück.
2012 dürfen wir das tränenreiche Ende sogar noch hautnaher miterleben - dann kommt “Titanic” nämlich in 3D in die Kinos.

William Shakespeares Romeo + Julia
Noch ein Film, bei dem von Anfang an klar ist, dass es kein Happy End geben wird: William Shakespears Romeo + Julia. Aber darf man nicht trotzdem immer wieder hoffen? Zu schön ist die berühmteste Liebesgeschichte der Welt, zu mitreißend die Regiearbeit von Baz Luhrmann und zu anrührend die Verkörperung des Paares durch Leonardo DiCaprio und Claire Danes.

Moulin Rouge
Baz Luhrmann die Zweite. Und wieder ist bei “Moulin Rouge” von Anfang an klar, dass das Ganze nicht gut ausgehen kann: Ewan McGregor als brotloser Schriftsteller erzählt die Geschichte nämlich im Rückblick - und verrät bereits in den ersten fünf Minuten, dass Nicole Kidman als Satine leider kein langes und glückliches Leben beschieden ist. Bei dem wilden Ritt durch das Paris des 19. Jahrhunderts mit spektakulären Tanz- und Gesangseinlagen, kann man das aber leicht vergessen - um am Ende umso mehr zu leiden.

Stadt der Engel
Das US-Remake “Stadt der Engel” von Wim Wenders’ “Der Himmel über Berlin” setzt auf gängige Hollywood-Strategien und hat mit dem Original nur wenig gemein. Doch der Film mit Nicolas Cage und Meg Ryan ist trotzdem wunderbar leicht und zugleich verstörend mit seinem herzzerreißenden Ende: ein Engel gibt seine Unsterblichkeit für seine große Liebe auf - die dann kurz darauf stirbt. Das Leben ist nicht fair. Dennoch meint das “Lexikon des Internationalen Films”: “Eine Auseinandersetzung mit Liebe, Leben und Tod, der es in ihren dichtesten Momenten durchaus gelingt, Trost zu spenden.”

Message in a Bottle - Der Beginn einer großen Liebe
Ein ähnlich tragisches Ende hat auch “Message in a Bottle” zu erzählen: Garret (Kevin Costner) und Theresa (Robin Wright Penn) werden schicksalhaft durch Garrets Flaschenpost an seine verstorbene Frau zusammengeführt, erleben eine Krise, kommen wieder zusammen - bisher alles gängige Hollywoodmanier. Endlich, nach vielen langen Filmminuten, finden sich die Liebenden dann wirklich - nur um durch den tragischen Unfalltod von Kevin Costner alias Garret, auseinandergerissen zu werden. Von wegen “Der Beginn einer großen Liebe”…

Sweet November
Bei den vorangegangenen Filmen wussten die Protagonisten nicht, welch tragisches Schicksal ihnen blüht - das Publikum ahnte es zumindest. Es geht aber auch anders, was das Leid des Abschieds umso länger auf die Leinwand bannt. In “Sweet November” will Charlize Theron zunächst aus Keanu Reeves einen besseren Menschen machen. Es kommt, wie es kommen muss - sie verlieben sich. Doch beim Heiratsantrag bricht Charlize alias Sara zusammen. Die Diagnose: Krebs ohne Chance auf Heilung. Damit ihr Liebster sie in guter Erinnerung behält, verlässt sie ihn, um alleine zu sterben.

Nur mit Dir
Auch in dem Film “Nur mit Dir” steht der Heldin der Krebstod bevor  - und sie will sich nicht verlieben, tut es aber doch. Dabei fängt alles wie eine klassische Highschool-Romanze an: der beliebte Landon, gespielt von Shane West, verliebt sich in die Außenseiterin Jamie - herzzerreißend verkörpert von Mandy Moore. Trotz des unausweichlich bevorstehenden Todes genießt das junge Paar die Zeit miteinander. Ein Happy End gibt es für die zwei nicht, aber wenigstens macht der gute Junge nach dem Tod seiner Liebsten etwas aus seinem Leben. Kitschig, aber auch richtig schön.

Love Story
In dem Klassiker “Love Story” von 1970 fängt alles ganz harmlos an: Oliver (Ryan O’Neal) aus reichem Hause und die arme Jenny (Ali MacGraw) beschließen, gegen alle familiären Widerstände zu heiraten. Oliver wendet sich von seiner Familie ab und die beiden schlagen sich ohne finanzielle Hilfe durch. Mit Erfolg. Nachdem Oliver sein Studium beendet hat, findet er einen guten Job als Anwalt. Das könnte ein schönes Happy-End sein, ist jedoch leider erst der Anfang: es stellt sich nämlich heraus, dass Jenny an Leukämie erkrankt ist. Trotz Therapie stirbt sie in Olivers Armen.
Wie nah an der Realität das Ende ist, musste Hauptdarsteller Ryan O’Neal 2009 selbst erfahren: in diesem Jahr verlor er seine große Liebe, die Schauspielerin Farrah Fawcett, an Krebs. Zur geplanten Heirat kam es nicht mehr.