Hat sich Tom Cruise mit der Darstellung eines deutschen Widerstandskämpfers zu viel vorgenommen? Meiner Meinung ja. Klar ist es wichtig, dass die Welt überhaupt davon erfährt, dass es Stauffenberg und seine Mitverschwörer gab, dass hohe Militärs - wenn auch spät - versuchten, Hitler zu stoppen. Und sicher ist auch, dass Bryan Singers Operation Walküre ein solide gemachter Thriller ist, der den Helden vom 20. Juli den nötigen Respekt erweist. Doch das alles genügt nicht. Denn wenn die bislang größtenteils ahnungslose Welt (und auch der eine oder andere ahnungslose deutsche Kinogänger) erfährt, dass es bei uns Widerstand gegen den größenwahnsinnigen Massenmörder gab, dann bitte so, dass der Wahrheit Tribut gezollt wird. Dann dürfte Stauffenberg aber keine makellose Heldenfigur sein, die nie an sich zweifelt und an der auch kein anderer zweifeln darf. Genau so wurde er aber vom Regisseur inszeniert und von Tom Cruise gespielt. Solxhe Vorwüfe schmettern diese beiden Macher mit dem Argument ab, dass sie keine Dokumentation, sondern einen Thriller drehen wollten. Clever, aber nicht zutreffend. Der Spannunng hätte es keinerlei Abbruch getan, wenn der Held als Mensch gezeichnet worden wäre. Als einer, der früher an Hitler glaubte, der als Offizier Unrechtskriege führte und den sicher die Angst vor seinem Vorhaben plagte. So einem fühlt man sich stärker verbunden, als einem Übermenschen. Dem wünscht man noch mehr und gegen alle historische Fakten, dass er vielleicht doch Erfolg hat. Das hat Hollywood nicht gewagt. Die eine oder andere Nebenfigur darf straucheln, doch niemals der Held. Schade, denn so wurde den Tapferen nicht das Denkmal gesetzt, das sie wirklich verdienen und eine Chance verschenkt, der Welt ihr wahres, inspirierendes Gesicht zu zeigen.
(Foto: 20th Century Fox)
Na, wie sagte ein Kritiker im Guardian so schön: Top Gun mit Augenklappe. Um den Film mache ich einen großen Bogen. Schaue mir lieber ‘Frost/Nixon’ an.