Gefahren, Wunder und Geheimnisse, böse Hexen und wilde Piraten erwarten ihn auf der anderen Seite. Und sein gefallener Stern entpuppt sich als wunderschöne junge Frau namens Yvaine, die sich beim Sturz das Bein gebrochen hat.

Zwei Welten existieren auch in Matthew Vaughns Fantasy-Film "Der Sternwanderer". Doch diese werden lediglich durch eine mannshohe Mauer getrennt, und das Loch darin bewacht ein klappriger alter Mann. Kein Wunder, dass es immer wieder zu "Grenzüberschreitungen" kommt. Erst ist es der Vater, der von seinem Dörfchen Wall auf die andere Seite "rübermacht" und im magischen Pendant Stormhold in der schönen Una seiner großen Liebe begegnet. Neun Monate später findet der junge Mann, längst zurück in Wall, das Ergebnis seines verbotenen Ausflugs in ein Bündel gepackt vor seiner Tür liegend. Dieses prächtige Baby wächst schließlich zum wackeren Burschen Tristan (Charlie Cox) heran, der unbedingt das Herz der hübschen, aber kecken Victoria (Sienna Miller), die an jedem Finger fünf Jungs haben könnte, erobern will. Um diese zu beeindrucken, lässt sich Tristan zu einer besonders mutigen Tat hinreißen: Er will für Victoria eine Sternschnuppe, die gerade vom Himmel herabgefallen ist, einfangen - allerdings ist diese dummerweise jenseits der Mauer, also im mysteriösen, auch seinem Vater wohlbekannten Stormhold, zu Boden gegangen... Und endlich nimmt die absonderliche Geschichte, die auf Neil Gaimans gleichnamigem Roman basiert, allmählich an Fahrt auf. Es stellt sich nämlich heraus, dass neben Tristan auch noch zwei weitere Parteien an dem süßen Sternchen namens Yvaine (Claire Danes) Interesse angemeldet haben, wenn auch aus ganz unterschiedlichen Beweggründen. So wollen die sieben Königssöhne von Stormhold, die sich im Verlauf der Handlung selbst dezimieren, aber als so eine Art Untote weiter ihr Unwesen treiben, an die Kette des Mädchens heran, weil diese die Thronfolge garantiert. Und dann sind da noch drei gemeine alte Hexen, die, um ewige Jugend zu erlangen, in den Besitz von Yvaines Herzen gelangen müssen. Schön, dass am Ende und nach diversen effektheischenden Abenteuern dann doch nicht die Gier, sondern die Liebe siegt und Tristan erkennt, dass sein Herz für die reine, die unschuldige Yvaine, nicht etwa für die eitle, durchtriebene Victoria schlägt. So weit, so konfus. Matthew Vaughn, bisher eigentlich nur als Ehemann von "Germanys Most Famous Top Model" Claudia Schiffer sowie als Produzent der Filme seines Kumpels Guy Ritchie ("Snatch - Schweine und Diamanten") in Erscheinung getreten, gibt hier alles, um seinem kruden Mix aus Kitsch-Komödie, Fantasy-Spektakel und kunterbuntem Hexeneinmaleins so etwas wie Stringenz zu verpassen. Doch das Hin- und Hergehopse zwischen Diesseits und Jenseits, das ständige Einführen neuer Schauplätze und weiterer Charaktere geht einem mit zunehmender Spieldauer ziemlich auf die Nerven. Da hilft es auch wenig, dass Michelle Pfeiffer mit großer Lust die nach immerwährender faltenfreier Schönheit lechzende Magierin gibt und Robert De Niro als Piraten-Tucke bedingt erfolgreich versucht, Johnny Depps Performance des Captain Jack Sparrow in den Schatten zu stellen. Immerhin bietet diese Märchenverfilmung von jedem etwas, also Mega-Spaß, Spitzen-Action und tolle Tricks, den ewig jungen Kampf zwischen Gut und Böse sowie eine schmalztriefende Love Story. Aber selbst wenn man die ganze Sternenanbeterei nicht für voll nimmt und die Ironie hinter der Geschichte hervorkehrt, so beschleicht einen doch immer wieder das Gefühl, dass man dem Reich der Feen, Hexen und Zauberer zumindest mit dieser Vorlage nichts Neues mehr abgewinnen kann.
Thomas Lassonczyk, teleschau - der mediendienst